Deutsche Grammatik

Der, die oder das? Artikelregeln und Ausnahmen

Welche Endungen und Wortgruppen den Artikel verraten und welche Ausnahmen es gibt.

Wie verlässlich ist welche Endung? Alle Endungen im Überblick, mit Ausnahmen. Zu Fällen, Plural und zusammengesetzten Nomen: die Grammatik-Anleitungen.

Regeln für der, die und das sowie das Genus deutscher Nomen

Im Deutschen gehören Nomen zu einem von drei Genera: Maskulinum, Femininum oder Neutrum. Jedes Genus hat im Singular einen eigenen bestimmten Artikel: „der“ für maskuline, „die“ für feminine und „das“ für sächliche Nomen. Während deutsche Muttersprachler meist intuitiv wissen, welchen Artikel sie verwenden müssen, müssen Deutschlernende die Artikel in der Regel mitlernen. Einige Regeln und Richtlinien helfen dabei, den richtigen Artikel für bestimmte Gruppen von Nomen zu bestimmen. Es gibt jedoch viele Ausnahmen.

Bitte beachte: Diese Regeln gelten nur für Nomen im Singular. Alle Nomen im Plural verwenden den bestimmten Artikel „die“.

Maskuline Nomen: der

Nach Wortendung

-er

Ungefähr 86 % der deutschen Nomen mit der Endung „-er“ sind maskulin.

Beispiele: Dezember, Gegner, Kilometer, Mitarbeiter, Schüler, Sommer, Vertreter

Häufige Ausnahmen: Alter, Opfer, Theater, Tier, Tochter, Wasser, Zimmer

-en

Ungefähr 38 % der deutschen Nomen mit der Endung „-en“ sind maskulin. Das bedeutet, dass ein erheblicher Anteil von 62 % der Nomen mit der Endung „-en“ dieser Regel nicht folgt.

Beispiele: Boden, Flughafen, Garten, Hafen, Knochen, Morgen, Rücken

Häufige Ausnahmen: Brötchen, Essen, Gewissen, Kennzeichen, Kissen, Zeichen

-ig

Ungefähr 67 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ig“ sind maskulin.

Beispiele: Essig, Gehsteig, Honig, König

Häufige Ausnahmen: Braunschweig, Leipzig, Venedig (die meisten Ausnahmen sind Ortsnamen)

-ling

Ungefähr 82 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ling“ sind maskulin.

Beispiele: Flüchtling, Frühling, Lehrling, Schützling

Häufige Ausnahmen: Bowling, Controlling, Dribbling, Recycling, Styling (die meisten davon sind aus dem Englischen entlehnt)

-or

Ungefähr 93 % der deutschen Nomen mit der Endung „-or“ sind maskulin.

Beispiele: Autor, Direktor, Faktor, Korridor, Moderator, Monitor, Motor, Professor

Häufige Ausnahmen: Tor, Labor

-ismus

Alle deutschen Nomen mit der Endung „-ismus“ sind maskulin.

Beispiele: Kapitalismus, Mechanismus, Optimismus, Rassismus, Tourismus

Häufige Ausnahmen: Zu dieser Regel gibt es keine Ausnahmen.

-ist

Ungefähr 97 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ist“ sind maskulin.

Beispiele: Aktivist, Geist, Journalist, Polizist, Spezialist

Häufige Ausnahmen: Frist, Watchlist

Nach Bedeutung

Der bestimmte Artikel „der“ wird bei folgenden Nomen verwendet:

Der bestimmte Artikel „der“ wird überwiegend bei folgenden Kategorien verwendet:

  • Alkoholische Getränke: Cognac, Wein, Whiskey. Ausnahme: das Bier.
  • Flüsse außerhalb Europas: Amazonas, Mississippi.
  • Berge: Mont Blanc, Kilimandscharo. Ausnahme: die Zugspitze.

Feminine Nomen: die

Nach Wortendung

-ung

Ungefähr 99 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ung“ sind feminin. Entgegen einer verbreiteten Annahme sind also nicht alle deutschen Wörter mit der Endung „-ung“ feminin.

Beispiele: Ausstellung, Entscheidung, Entwicklung, Hoffnung, Leistung, Lösung, Meinung, Veranstaltung

Häufige Ausnahmen: Vorsprung, Sprung, Kurssprung, Hochsprung, Aufschwung, Ursprung (die meisten Ausnahmen bezeichnen Bewegungen und sind von „springen“ oder „schwingen“ abgeleitet)

-e

Ungefähr 79 % der deutschen Nomen mit der Endung „-e“ sind feminin.

Beispiele: Aufgabe, Bühne, Familie, Frage, Kirche

Häufige Ausnahmen: Auge, Ende, Gebäude, Interesse, Hase, Name, Wochenende, Kaffee, Tee

-heit

Ungefähr 99 % der deutschen Nomen mit der Endung „-heit“ sind feminin.

Beispiele: Gesundheit, Mehrheit, Sicherheit, Vergangenheit

Häufige Ausnahmen: Holzscheit, Fahrenheit

-keit

Alle deutschen Nomen mit der Endung „-keit“ sind feminin.

Beispiele: Fähigkeit, Möglichkeit, Tätigkeit

Häufige Ausnahmen: Zu dieser Regel gibt es keine Ausnahmen.

-in

Ungefähr 88 % der deutschen Nomen mit der Endung „-in“ sind feminin.

Beispiele: Schauspielerin, Richterin, Polizistin, Ärztin, Anwältin

Häufige Ausnahmen: Verein, Wein, Termin, Stein, Magazin, Benzin

-ei

Ungefähr 91 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ei“ sind feminin.

Beispiele: Datei, Partei, Polizei

Häufige Ausnahmen: Papagei, Schrei

-frau

Alle deutschen Nomen mit der Endung „-frau“ sind feminin.

Beispiele: Ehefrau, Hausfrau

Häufige Ausnahmen: Zu dieser Regel gibt es keine Ausnahmen.

-schaft

Ungefähr 95 % der deutschen Nomen mit der Endung „-schaft“ sind feminin.

Beispiele: Gesellschaft, Mannschaft, Wirtschaft

Häufige Ausnahmen: Nagelschaft, Turmschaft, Schaft

-ät

Ungefähr 80 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ät“ sind feminin.

Beispiele: Aktivität, Mobilität, Realität, Universität

Häufige Ausnahmen: Porträt, Gerät und vor allem zusammengesetzte Nomen mit Gerät, zum Beispiel Hörgerät, Messgerät, Navigationsgerät und Sportgerät

-ik

Ungefähr 93 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ik“ sind feminin.

Beispiele: Grafik, Klinik, Kritik, Musik, Politik, Technik

Häufige Ausnahmen: Atlantik, Mosaik, Pazifik, Plastik, Streik

-ion

Ungefähr 94 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ion“ sind feminin.

Beispiele: Aktion, Diskussion, Information, Region

Häufige Ausnahmen: Champion, Skorpion, Stadion, Spion

-ie

Ungefähr 98 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ie“ sind feminin.

Beispiele: Chemie, Demokratie, Familie, Fotografie, Galerie, Kopie, Studie, Therapie

Häufige Ausnahmen: Genie, Hippie, Knie, Movie, Portemonnaie, Zombie

-ur

Ungefähr 72 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ur“ sind feminin.

Beispiele: Figur, Kultur, Literatur, Reparatur, Temperatur, Tour

Häufige Ausnahmen: Abitur, Ingenieur, Friseur, Redakteur, Regisseur (die meisten Ausnahmen sind männliche Berufsbezeichnungen)

-enz

Ungefähr 97 % der deutschen Nomen mit der Endung „-enz“ sind feminin.

Beispiele: Intelligenz, Konferenz, Konkurrenz

Häufige Ausnahmen: Florenz (Städtenamen mit der Endung „-enz“)

Nach Bedeutung

Der bestimmte Artikel „die“ wird bei folgenden Nomen verwendet:

  • Weibliche Personen, Berufs- und Rollenbezeichnungen: Mutter, Friseurin, Ärztin
  • Motorradmarken: Harley-Davidson, BMW (nur Motorräder), Yamaha
  • Flugzeuge und Schiffe: Boeing 747, Titanic
  • Kardinalzahlen: Eins, Drei

Außerdem wird „die“ überwiegend verwendet bei:

Sächliche Nomen: das

Nach Wortendung

-chen

Ungefähr 94 % der deutschen Nomen mit der Endung „-chen“ sind sächlich.

Beispiele: Anzeichen, Blutkörperchen, Brötchen, Kennzeichen, Mädchen, Zeichen

Häufige Ausnahmen: Knochen, Kuchen, Tauchen

-lein

Alle deutschen Nomen mit der Endung „-lein“ sind sächlich.

Beispiele: Die meisten sind veraltet und gelten zum Teil als abwertend (Fräulein, Männlein) oder drücken eine Verkleinerung aus (Vöglein, Häuslein).

Häufige Ausnahmen: Zu dieser Regel gibt es keine Ausnahmen.

-ment

Ungefähr 97 % der deutschen Nomen mit der Endung „-ment“ sind sächlich.

Beispiele: Abonnement, Apartment, Dokument, Instrument, Medikament, Parlament

Häufige Ausnahmen: Konsument, Komment, Moment, Zement

-nis

Ungefähr 66 % der deutschen Nomen mit der Endung „-nis“ sind sächlich.

Beispiele: Ergebnis, Gefängnis, Geheimnis, Verständnis, Zeugnis

Häufige Ausnahmen: Erlaubnis, Kenntnis, Wildnis

-tum

Ungefähr 98 % der deutschen Nomen mit der Endung „-tum“ sind sächlich.

Beispiele: Eigentum, Faktum, Wachstum

Häufige Ausnahmen: Irrtum, Reichtum

-um

Ungefähr 82 % der deutschen Nomen mit der Endung „-um“ sind sächlich.

Beispiele: Forum, Gymnasium, Museum, Praktikum, Studium, Visum, Zentrum

Häufige Ausnahmen: Baum, Traum, Raum

Nach Bedeutung

Der bestimmte Artikel „das“ wird bei folgenden Nomen verwendet:

Außerdem wird „das“ überwiegend verwendet bei:

Nomen mit mehreren Artikeln

Andere Bedeutung, anderer Artikel

Band (der, die, das)

Band ist ein Beispiel für ein deutsches Wort, das je nach Bedeutung verschiedene Artikel haben kann. Bezeichnet es ein gebundenes Buch, ist es maskulin und hat den Artikel „der“. Bezeichnet es eine Musikgruppe, ist es feminin und hat den Artikel „die“. Bezeichnet es ein Band oder einen Streifen, ist es sächlich und hat den Artikel „das“.

Leiter (der, die)

Auch Leiter kann je nach Bedeutung verschiedene Artikel haben. Bezeichnet das Wort eine Steighilfe, ist es feminin und hat den Artikel „die“. Bezeichnet es eine führende Person oder einen Direktor, ist es maskulin und hat den Artikel „der“.

Gehalt (der, das)

Wenn „Gehalt“ ein Einkommen bezeichnet, ist es normalerweise sächlich und hat den Artikel „das“, es kann jedoch auch maskulin mit „der“ verwendet werden. In der Bedeutung „Inhalt“ ist es immer maskulin und hat den Artikel „der“.

Regionale Unterschiede

Die Verwendung von Artikeln kann im Deutschen mitunter umstritten sein. Je nach Region können unterschiedliche Formen üblich sein.